[Wie kombiniert man am besten sehr vielseitige Interessen und schafft es, als Grenzgänger zwischen den Disziplinen nicht den Überblick zu verlieren, sondern verschiedenartige Interessen als sich gegenseitig inspirierende Anregungsquellen zu nutzen? Diese Fragen haben Steffen Höllinger schon immer persönlich beschäftigt, da er bereits in jungen Jahren parallel zu seinem Abitur auf der politischen Bühne präsent war. Als Mitarbeiter eines Abgeordneten und späteren Staatssekretärs im baden-württembergischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst verfasste er für diesen Reden und die tägliche Korrespondenz. Jene Schreiberfahrungen brachte er auch später zusammen mit seinem Interesse für Literatur in die Gründung des studentischen Hochschulmagazins „Oszillograf“ an der Zeppelin Universität ein. Außerdem stand er ein Jahr der studentischen Organisationsberatung Whyknot als Finanzvorstand vor. Aufgrund eines ausgeprägten Interesses für das Thema Unternehmensgründung und Unternehmertum initiierte er zusammen mit seinem Kommilitonen Johannes Heinze die studentische Gesprächsreihe „YEP | Young Entrepreneurs & Professionals“, um junge Gründer und Entscheidungsträger für sehr persönliche Workshop-Veranstaltungen an die Universität zu holen. Einen Aufenthalt im Rahmen einer wissenschaftlichen Konferenz am MIT in Cambridge/Boston nutzte er, um Kontakte in seinem Interessengebiet Open Innovation & Entrepreneurship zu knüpfen und sich anschließend in seiner Bachelor-Thesis dem Thema „User Entrepreneurship“ wissenschaftlich zu nähern. Neben jener theoretischen Beschäftigung mit dem Thema Unternehmertum unterstützte er auch in der Praxis einige Business Angels wie Lukasz Gadowski beratend bei deren Investments in junge Unternehmen. Dem Bereich Venture Capital wird er auch zukünftig treu bleiben und in die Geschäftsführung einer auf Frühphasen-Investments im Technologie- und Internetbereich spezialisierten, privaten Investment-Gesellschaft in Berlin und Zürich eintreten. Langfristig zieht es Steffen Höllinger allerdings wieder zurück an die Universität, um einen weiteren wissenschaftlichen Abschluss zu erwerben und den Kopf wieder für neue Dinge freizubekommen - oder vielleicht auch nur, um die eine oder andere eigene Unternehmensgründung vorzubereiten.]
| Die Zeppelin Universität hat diesmal Sie als besonders eigenwilligen Studierenden ausgewählt. Ist das in irgendeiner Weise überhaupt berechtigt? Nein, in aller Bescheidenheit. Eigenwilligkeit sollte allen Studierenden selbstverständlich sein, an einer Universität, die sich anschickt, selbstständig denkende Persönlichkeiten auszuwählen und interessante Menschen zusammenzubringen, um in einer lernenden Gemeinschaft neue Wege zu beschreiten. Ich hatte jedenfalls das Glück, in den letzten Jahren hier viele solcher Menschen zu treffen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen.
| Wenn Sie sich selbst in sieben Worten beschreiben sollten, dann wäre dies…: In einem Wort: freiheitsliebendselbstständignonkonformistischungeduldigprokrastinatorischselbstforderndneugierig
| Inwieweit hat die ZU ihre Eigenwilligkeit unterstützt bzw. nicht verhindert? Die Zeppelin Universität hat mir stets die nötige Freiheit gelassen, meine eigenen Interessen zu entdecken und die Beschäftigung mit diesen umsetzen zu können. Zudem hat mich die hier spürbare Haltung von Universität im Derridaschen Sinne begeistert, Universität als einen Ort zu verstehen, an dem nichts außer Frage steht - auch nicht die Universität selbst.
| Was war Ihre wichtigste Überraschung in Ihrem bisherigen Studium? Die praktische Relevanz in jeder guten Theorie.
| Und welche Frage ist noch immer unbeantwortet? Diese hier wie alle, denn - um es mit Brecht zu sagen - „...so sehen wir betroffen, den Vorhang zu und alle Fragen offen.“
| Wem genau würden Sie von einem Studium an der ZU abraten? Angepassten Lesern von Karriere-Zeitschriften, die durch eine uniformistische, arbeitsmarktkompatible Ausbildung vor allen Dingen ihren Lebenslauf optimieren wollen, um potenziellen Arbeitgebern zu gefallen. Eine solche Anbiederung an vermeintliche Anforderungen führt letzten Endes zu persönlicher Profillosigkeit sowie kultureller Verarmung und entspricht nicht meinem Verständnis einer breiten, grundlegenden Bildung, die nicht immer in erster Linie einen monetarisierbaren Zweck verfolgt.
| … und wem eines empfehlen? Selbstständigen, unternehmerisch denkenden Menschen, die neugierig, engagiert und bildungshungrig sind, die Dinge verstehen wollen und auf der Suche nach Antworten sind - und die dabei Interdisziplinarität nicht als Ausrede verstehen, sich nicht für Spezialisierungen entscheiden zu müssen und deshalb auch exzellente Leistungen auf einem einzelnen Gebiet erbringen können.
| Was dürfen wir von Ihnen noch erwarten – nach dem Studium? Erwartet nichts und lasst euch überraschen!