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Lehrstuhl für Politische Ökonomie | Profil

Ein Lehrstuhl für Politische Ökonomie ist selten in Deutschland. Zugleich irritiert der Titel, wenn man ihn mit englischen Lehrstühlen dieser Bezeichnung vergleicht: dieser Lehrstuhl ist kein Ort der Globalisierungskritik, sondern ein Versuch der Anknüpfung an ältere deutsche Traditionen (ohne ihnen zu verfallen): Staat, Politik und Ökonomie systematisch als Interdependenz zu denken und wissenschaftlich zu untersuchen.

Der Lehrstuhl ist institutionenökonomisch orientiert (modern institutional economics), ohne Verzicht auf Mikro- und Makroökonomik, public choice, evolutionary economics, und Systemtheorie. Ausgeprägte Interessen an policy- wie politics-Forschung kommen hinzu. Ohne Kenntnisse von Politikprozessen, Verfassungsfragen (constitutional economics) und Politikkonzeptionen wie –management lässt sich das komplexe Feld der Politik/Wirtschaft-Interaktionen nicht durchleuchten.

Ziel der Forschungen des Lehrstuhls ist eine neue ökonomische Theorie des Staates, vornehmlich im Kontext von Globalisierung, Wissens- und Dienstleitungsgesellschaft.

Wir haben nicht nur in Osteuropa, sondern im Westen selbst Transformationsprozesse erheblichen Ausmaßes, mit Umstellungen von struktureller Art: der Staat zieht sich zurück, aus Überlastung, aus öffentlichen Aufgaben, die von der Gesellschaft selber bewerkstelligt werden müssen. Die Wohlfahrtsstaaten haben Finanzierungskrisen erzeugt, die demographische Entwicklung trifft auf Infrastrukturen, die nicht passen, der Umbruch in die Wissensgesellschaft trifft auf Bildungssysteme, die dafür nicht vorbereiten, die Sozialsysteme leisten nicht mehr, was politisch versprochen wurde etc. Hier stehen wir zum Teil völlig neuen Anforderungen gegenüber, die mit den Mitteln und Zielen älterer Staatsauffassungen nicht mehr angemessen bewältigt werden. Nicht nur die Politik wird zur (permanenten) ‚Reformpolitik’, sondern auch die Theorien müssen überprüft werden, ob sie nicht ein Teil des Problems sind. Deshalb sind methodische Fragen von hoher Relevanz.

Das Forschungsfeld ist transdisziplinär. Deswegen wird, neben allen spezifischen Themata, auch immer an Methodenfragen gearbeitet (Integration von Netzwerken, Kommunikation, Komplexität etc. in die ökonomischen Theoriemöglichkeiten). Der Lehrstuhl ist offen anderen Wissenschaften gegenüber und sucht die Forschungskooperation: Politologie, Soziologie, Staatsrecht, Verwaltungswissenschaft, Geschichte, Philosophie etc.



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geändert: 27.05.2005