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Mobilität in der Euregio Bodensee -
Auf dem Weg zu leistungsfähigen Verkehrslösungen?


Am 15. September 2006 trafen sich 70 Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft in Friedrichshafen, um über aktuelle Probleme und Lösungsansätze im Hinblick auf die Mobilität in der Euregio Bodensee zu diskutieren. Dieses Symposium wurde gemeinsam von der Zeppelin Universität Friedrichshafen und der Universität St.Gallen ins Leben gerufen, um eine unabhängige Diskussionsplattform für Fragen des grenzüberschreitenden Verkehrs im Drei-Länder-Eck Deutschland, Österreich und der Schweiz zu schaffen.

"Wenn das Herz schlagen soll, braucht es Kraft und Adern, sonst führt es zum Infarkt", eröffnete Oberbürgermeister Büchelmeier das 1. Symposium in Friedrichshafen. Er betonte dabei die herausragende Bedeutung der Mobilität für die ganze Region und forderte die Teilnehmer auf, konstruktive Lösungsansätze für die bestehenden Verkehrsprobleme zu erarbeiten.

Am Vormittag wurde die Verkehrssituation in der Euregio Bodensee aus der Perspektive der Wirtschaft dargestellt. Dabei schilderten Dr. Andreas Froschmeyer (Bereichsleitung Unternehmensentwicklung des Logistikdienstleisters Dachser) und Jörg Schwingeler (CEO der Intersky Luftfahrt) ihre Sicht der Dinge. Dr. Andreas Froschmeyer hob insbesondere die Flexibilität der Logisitkdienstleister hervor, die sich sehr schnell an neue Strukturherausforderungen anpassen, unter anderem auch an die beschränkte Kapazität der Verkehrswege in der Bodenseeregion und die Beschränkungen im grenzüberschreitenden Verkehr mit der Schweiz. Auch Jörg Schwingeler unterstrich diese Aussage und stellte die Wichtigkeit des Flughafens Friedrichshafen für die gesamte Region dar. Er machte deutlich, dass über das nationale und internationale Destinationen umfassende Flugangebot der Intersky nicht nur Touristen, sondern zunehmend auch Geschäftsreisende als Fluggäste akquiriert werden können. In diesem Zusammenhang verwies Schwingeler auch auf die hervorragende ÖPNV-Anbindung des Friedrichshafener Flughafens und weitere Vorteile gegenüber dem zweiten regionalen Flughafen in Memmingen. Die große Bedeutung des ÖPNV für die Bodenseeregion wurde auch von IHK-Geschäftsführer Helmut Schnell betont, der eine bessere Anbindung an die Ballungsräume in Stuttgart, München und Zürich forderte, um aufgrund der geographischen Randlage gegebenen Wettbewerbsnachteile des Bodenseeraumes auszugleichen. In diesem Zusammenhang forderte Schnell auch eine rasche Fertigstellung des Bauvorhabens „Stuttgart 21“ sowie der Hochgeschwindigkeitsstrecke von Stuttgart über Ulm nach München.

Am Nachmittag standen die beiden Schwerpunktsequenzen zum Personen- und Güterverkehr auf dem Programm.

In der von Prof. Dr. Stölzle von der Universität St. Gallen moderierten Güterverkehrssequenz wurden drei verschiedene Themenkomplexe diskutiert: die Ansprüche der Logistikdienstleister, die Mobilitätspolitik im Bodenseeraum als Konzept für die unternehmerische Standortbindung und entwicklung und die Anforderungen an den interregionalen Güterverkehr aus Sicht der Region.

Reiner Stamm, Leiter der internationalen Geschäftsentwicklung von Rhenus Logistics, und Heinrich Grieshaber, Vorstand von Grieshaber Logistik, forderten einen Ausbau der Verkehrsinfrastruktur im Bodenseeraum und einen Abbau der administrativen Hindernisse im grenzüberschreitenden Verkehr mit der Schweiz, um die Wettbewerbsfähigkeit der Bodenseeregion langfristig zu verbessern. Aufgrund der bestehenden Überlastung des Straßennetzes forderten beide Redner, dass insbesondere die Straßeninfrastruktur ausgebaut werden müsse. Damit ließen sich auch negative Auswirkungen auf den Tourismus vermeiden. Siegfried Steininger, Director Business Development von Dornier Consulting, betonte in diesem Zusammenhang, dass die Menschen in der Bodenseeregion sehr viel sensibler auf Verkehrsbehinderungen reagieren als in Großstädten, „wo es für niemanden ein Problem ist, zweieinhalb Stunden im Stau zu stehen, um einen Kilometer vorwärts zu kommen“. Deshalb sprach auch er sich für einen sofortigen Ausbau der Straßen- und Schieneninfrastruktur in der Bodenseeregion aus. Die Referenten forderten zudem, dass die Höhe der Mautsätze in Deutschland, Österreich und der Schweiz harmonisiert und die Maut zweckgebunden für Verkehrsinfrastrukturinvestitionen erhoben wird. Weitere Forderungen an die Politik adressierten eine beschleunigte Zollabfertigung und die Flexibilisierung des Nachtfahrverbots vor allem in der Schweiz.
Dr. Stefan Köhler, Verbandsdirektor des Regionalverbands Bodensee-Oberschwaben und damit Träger der Regionalplanung für den Bodenseekreis und die Landkreise Ravensburg und Sigmaringen, erklärte, dass die Lösung der Mobilitätsprobleme in der Euregio Bodensee eine Zusammenarbeit der zuständigen Ministerien in Deutschland, Österreich und der Schweiz erfordert. Er sprach sich dafür aus, dass die Akteure in der Region die Initiative ergreifen, indem sie die zuständigen Minister zusammenbringen und diese mit klaren Fakten in Bezug auf die regionalen Verkehrsprobleme konfrontieren.

"Wenn wir in der Bodenseeregion Wachstum haben wollen, dann müssen wir auch den Verkehr wollen", eröffnete Prof. Dr. Eisenkopf, Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Betriebswirtschaft & Mobility Management der Zeppelin Universität Friedrichshafen, die Personenverkehrssequenz. Auch in diesem Workshop lag das Haupt-augenmerk auf der Bedeutung der Mobilität für das Wirtschaftswachstum und den Tourismus. Dr. Ernst Boos (Direktor von Thurbo) und Dr. Guido Schoch (Direktor der Südostbahn) machten in ihren Vorträgen deutlich, dass nationale Insellösungen nicht länger haltbar seien und dass stattdessen ein integriertes Verkehrskonzept unter Einbezug aller drei Länder benötigt werde. Dr. Boos bekräftigte diesen Anspruch: "Wir bewegen uns von Insellösungen zu Gesamtkonzepten, und wir haben auch keine andere Wahl." Eine Abstimmung der Fahrpläne im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) und ein Ausbau der Infrastruktur seien daher zwingende Voraussetzungen für die Verbesserung der grenzüberschreitenden Mobilität. Die mangelnde politische Umsetzung wurde in diesem Zusammenhang als größtes Hindernis genannt. Auch Jürgen Löffler, Geschäftsführer der Bodensee-Oberschwaben Verbundgesellschaft, stellte die Herausforderungen des ÖPNV in der Bodenseeregion dar und wies auf die unzureichende Schieneninfrastrukturausstattung (eingleisige, nicht elektrifizierte Strecken) hin. Darüber hinaus betonte Manfred Weixler von den Bodensee-Schiffsbetrieben die Bedeutung der Schifffahrt für die Region. So seien die Fähren insbesondere für die Touristen in den Monaten von April bis September ein wichtiges Beförderungsmittel.

Die "EuRegio-Tageskarte", die in Deutschland, Österreich und der Schweiz gilt, wurde von allen Teilnehmern als gutes Beispiel grenzüberschreitender Zusammenarbeit hervorgehoben, obwohl sie bisher nur in der Schweiz den Durchbruch geschafft hat. Für die Zukunft sei daher eine flächendeckende Marktdurchdringung auch in Deutschland und Österreich anzustreben. In der anschließenden Diskussionsrunde kamen die Teilnehmer zu dem Ergebnis, dass der ÖPNV seine gemeinsamen Marketing-Anstrengungen verstärken müsse, um sicherzustellen, dass seine Qualitäten in der Öffentlichkeit besser wahrgenommen werden.

Höhepunkt des Symposiums war die abschließende Podiumsdiskussion mit Politikern aus allen drei Ländern: Rudolf Köberle (Staatssekretär im Innenministerium des Landes Baden-Württemberg), Manfred Rein (Regierungsrat des Landes Vorarlberg) und Dr. Josef Keller (Regierungsrat des Kantons St. Gallen). In ihren Eingangsstatements betonten sie allesamt die Bedeutung eines reibungslosen Ablaufs des interregionalen Güter- und Personenverkehr für die Wirtschaft und den Tourismus in der Bodenseeregion. Allerdings wurden vorwiegend nationale Ansätze zur Lösung bestehender Verkehrsprobleme skizziert. Im Anschluss daran hatten die Vertreter der Wirtschaft die Möglichkeit, der Politik die Verkehrsprobleme aus ihrer Sicht darzulegen und aufzuzeigen, wo Handlungsbedarf besteht. Hierbei wurden die Forderungen nach einem Ausbau der Verkehrsinfrastruktur, einer Harmonisierung der Mautsätze und einer beschleunigten Zollabfertigung im grenzüberschreitenden Verkehr mit der Schweiz wiederholt. Die Vertreter der Politik verwiesen in diesem Zusammenhang auf die angespannte Haushaltslage und politische Probleme, die einer Umsetzung dieser Forderungen vorerst entgegenstünden.

Als Fazit des Symposiums bleibt festzuhalten, dass eine Lösung der Verkehrsprobleme in der Bodenseeregion nur im Rahmen einer länderübergreifenden Zusammenarbeit zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz möglich ist. Deswegen planen die Zeppelin Universität Friedrichshafen und die Universität St.Gallen weitere gemeinsame Veranstaltungen und Projekte, um die Mobilität in der Euregio Bodensee nachhaltig zu verbessern.

Ansprechpartner:

Zeppelin Universität Friedrichshafen
Phoenix-Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaft & Mobility Management
Prof. Dr. Alexander Eisenkopf
Telefon: +49 7541 6009 12 00
E-Mail: alexander.eisenkopf@zeppelin-university.de

Universität St. Gallen
Kühne-Institut für Logistik (KLOG)
Harald Bachmann
Telefon: +41 71 224 72 87
E-Mail: harald.bachmann@unisg.ch
Internet: www.klog.unisg.ch

Center for Aviation Competence (CFAC)
Dr. Andreas Wittmer
Telefon: +41 71 224 25 25
E-Mail: andreas.wittmer@unisg.ch
Internet: www.idt.unisg.ch



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geändert: 24.09.2008