Andreas Huber, Stephan A. Jansen, Harald Plamper (Hrsg.): "Public Merger", Gabler, 400 Seiten.
Warum gehört die Kasseler Straßenbahn eigentlich den Amerikanern? Warum ist Fehrmann auf einmal so groß geworden? Warum brauchen Krankenhäuser (In-)Fusionen? Der erste Sammelband gibt Antworten und weitere Fragen zur Konzentration des Öffentlichen.
Die Welle der Unternehmenszusammenschlüsse hat endgültig den öffentlichen Sektor erreicht. In den vergangenen Jahren kommt es – zumeist mit nur geringer Beachtung der Medien – zu immer weiteren Zusammenschlüssen von öffentlichen Institutionen, von Sparkassen und Stadtwerken über Universitäten und Krankenkassen, Kirchengemeinden und Kirchenkreisen bis hin zu ganzen Kommunen und Kreisen.
Während diese Zusammenschlüsse in der Regel nicht an das Spektakuläre der privatwirtschaftlichen Fusionen wie DaimlerChrysler, Mannesmann/Vodafone oder Aventis/Sanofi herankommen, scheinen die Konsequenzen für die betroffenen Anspruchsgruppen doch vergleichbar. Die bisherigen Forschungen zu den Misserfolgsraten bei den Unternehmenszusammenschlüssen sind ernüchternd: über drei Viertel der Transaktionen scheitern –ökonomisch wie sozial.
Ungeachtet der derzeitigen praktischen Relevanz steht dieses Thema in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung noch ganz am Anfang. Auch die im Wesentlichen angelsächsisch geprägte Literatur zu Unternehmenszusammenschlüssen (Mergers & Acquisitions) ist hier aufgrund der spezifischen deutschen Rechtssituation kaum für den öffentlichen Sektor übertragbar.
Grund genug, nun eine erste Veröffentlichung zum Anstoß einer für Deutschland notwendigen Diskussion über Zusammenschlüsse im öffentlichen Sektor vorzulegen. Für dieses Projekt konnten wir Autoren aus Wissenschaft und Praxis gewinnen, die in ihrer Arbeit – sei es im Rahmen der direkten Beteiligung, Forschung oder Beratung – mit Zusammenschlüssen von Organisationen eine Vielzahl von Erfahrungen in der Vorphase und der Integration sammelten.
Eine Vielzahl von Fragen werden gestellt und beantwortet werden müssen: Welche Gründe gibt es für diese neue Welle von Zusammenschlüssen? Wie ist der Zusammenhang zwischen Zusammenschlüssen im öffentlichen Sektor und Staatsmodernisierung? Welche Formen der Zusammenschlüsse im öffentlichen Sektor lassen sich unterscheiden? Muss bei Fusionen im öffentlichen Sektor ebenfalls von einer hohen Scheiternsquote wie in der Privatwirtschaft ausgegangen werden oder führen die strukturellen Unterschiede in der vorvertraglichen Phase zu vielmehr eine Verbesserung der Erfolgschancen im öffentlichen Sektor? Was ist der Erfolg eines Zusammenschluss im öffentlichen Sektor? Welchen Stellenwert muss dem Öffentlichen, dem Politischen und dem Hoheitlichen beigemessen werden? Wie sehen die konkreten Herausforderungen im Post Merger Management aus? Wie müssen Zusammenschlüsse in Verbindung mit einer Vision eines bürgerorientierten Dienstleistungs- bzw. Gewährleistungsstaates organisational gestaltet werden? Was können künftige Zusammenschlüsse aus den ersten dokumentierten Beispielen lernen?
Dieser Sammelband versteht sich als ein erster Reisebegleiter und damit als Anregung zur weiteren vertieften Diskussion.